Bildungswandel,  Buchtipps

Buchtipp: #Education For Future – Bildung für ein gelingendes Leben

„Den jungen Kreativen gehört die Zukunft. Für sie – und für alle Erwachsenen, die sie auf diesem Weg begleiten wollen – schreiben wir dieses Buch.“

Als großer Fan von Gerald Hüthers Werken war ich sehr gespannt auf dieses neue Buch, an dem er beteiligt war. Ich habe es mir als Hörbuch angehört und kann sagen: Ich bin wirklich begeistert! Es ist ein großartiges Buch darüber, was Kinder wirklich brauchen, um sich zu selbstbewussten, kompetenten, sozialen und glücklichen Erwachsenen entwickeln zu können.

Es ist kein Buch speziell für Freilerner oder Homeschooler, auch wenn diese, neben staatlichen und privaten Schulen und damit als realer Bestandteil der Bildungslandschaft, darin erwähnt werden. Vielmehr ist es ein Buch, das sich darauf konzentriert, Eltern auf das wirklich Wichtige in der Kindheit hinzuweisen, Lehrer*innen Mut zu machen und Möglichkeiten aufzuzeigen, auch innerhalb des Schulsystems Kindern und Jugendlichen menschenwürdig zu begegnen und kreative Lösungen zu finden, und nicht zuletzt die Gesellschaft daran zu erinnern, dass Bildung die Aufgabe aller ist und nicht einer starren und praxisfernen Institution aus dem letzten Jahrhundert überlassen werden darf.

Im ersten Teil des Buches geht Gerald Hüther darauf ein, dass wir uns als Gesellschaft momentan in einer Umbruchzeit befinden und das konventionelle Bildungssystem einfach nicht mehr zur Lebensrealität des 21. Jahrhunderts passt. Die heutige Zeit ist geprägt von einer extrem schnellen und tiefgreifenden Veränderung der Lebens- und Arbeitswelt. Die Welt wird immer komplexer, der jungen Generation steht heute ein nie zuvor dagewesenes Maß an Freiheit und Möglichkeiten zur Verfügung, und hierarchische Strukturen verschwinden zunehmend. Die Vorbereitung auf diese Lebensrealität kann durch das Schulsystem, das aus einer vollkommen anderen Zeit stammt, definitiv nicht geleistet werden.

Und dennoch ist das alte Denken nach wie vor ziemlich fest verankert und noch keine neue Orientierung vorhanden, was zu einer allgemeinen Verunsicherung führt. Gerald Hüther erklärt im Buch unter anderem, warum Systeme und Gemeinschaften (ebenso wie Gehirne) am liebsten in ihrem gewohnten Zustand bleiben, und sich nur sehr schwerfällig und langsam ändern. Was es in dieser Situation braucht, sind keine festgelegten Programme, sondern Visionen und Vorstellungen davon, wie die Zukunft aussehen könnte, um auf dieser Basis dann neue Realitäten zu erschaffen. Es geht um den gesamtgesellschaftlichen Aufbruch in die Freiheit, bei dem das Ziel von Bildung sowohl die bestmögliche Potenzialentfaltung und ein gelingendes Leben des*r Einzelnen, wie auch die bereichernde Zusammenarbeit als Gemeinschaft und die so dringend notwendige Sicherung der Lebenserhaltung auf diesem Planeten ist.

Im zweiten Teil des Buches berichten dann Marcell Heinrich und Mitch Senf von ihren Erfahrungen als Sozialarbeiter mit Jugendgruppen und in Schul-Workshops. Sie erzählen dabei von einzelnen Geschichten aus der Praxis und geben zusätzlich einen allgemeinen Überblick darüber, was nötig ist, damit junge Menschen sich optimal entfalten können.

Es geht vor allem darum, dass Kindern und Jugendlichen als Subjekten begegnet wird. Besonders hervorgehoben wird an mehreren Stellen im Buch die Rolle von Mentor*innen, die echtes menschliches Interesse zeigen und den Fokus nicht ausschließlich auf Leistungen setzen. Wichtig ist auch, dass junge Menschen ihre Aufgaben und Herausforderungen selbst wählen können, für sich bedeutsame Anliegen formulieren, und diese anschließend umsetzen können. Durch diese Momente der Selbstgewissheit lernen sie sich selbst und ihre Talente immer besser kennen. Wenn dies dann auch noch gemeinsam mit anderen geschieht, dann kann bei allen Beteiligten das angeborene Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit und gleichzeitiger Verbundenheit befriedigt, und das innewohnende Potenzial bestmöglich entfaltet werden.

Sehr überrascht und erfreut, haben mich in diesem Buch auch die Ausführungen über die Möglichkeiten auf alternativen Wegen zu Schulabschlüssen, einem Ausbildungsplatz oder gar einer Studiumszulassung zu gelangen. Diese sind wirklich sehr detailliert und praxisorientiert und unterstreichen eine der Hauptaussagen des Buches, nämlich dass gute Noten, eine Gymnasialempfehlung oder sogar der Schulbesuch an sich, vollkommen überbewertet werden und in Zukunft eine immer geringere Rolle spielen werden.

Diese Aussagen in einem Buch zu lesen, das sich hauptsächlich an Eltern in der Mitte der Gesellschaft, und nicht speziell an die Randgruppe der Freilerner und Freien Schulen, richtet, macht mir wirklich große Hoffnung, dass tatsächlich ein gesellschaftlicher Wandel im Gange ist. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen, die mit Kindern zu tun haben, dieses Buch lesen werden, und der dringend notwendige Wandel dadurch noch beschleunigt wird!

Text: Nina Downer

#Education For Future – Bildung für ein gelingendes Leben
von Marcell Heinrich, Mitch Senf, Gerald Hüther
erschienen bei Goldmann, 2020
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